Zehn russische Erzieherinnen und Erzieher
besuchten die Kita Kinderwelt Immanuel

Die Erzieherinnen und Erzieher aus Moskau,  Pertersburg und Nizhni Nowgorod hospitierten am 19. Februar 2019 von 8.30 bis 10 Uhr in der Kita Kinderwelt Immanuel. Dieses kurze Zeitfenster war dem Umstand geschuldet, dass sich die Delegation nur drei Tage in Köln aufhielt und weitere Schulbesuche, der Besuch der Bildungsmesse didacta sowie Expertentreffen auf dem Plan standen. Doch sie waren im Vorfeld vom Konzept der Kita so angetan, dass sie diese unbedingt kennenlernen und mehr darüber erfahren wollten. Denn die Beteiligung der Kinder in der Kinderwelt Immanuel ist Grundlage der pädagogischen Arbeit. 

Bei ihrem Besuch ging es darum, sich ein Bild von den Erziehungsmethoden und ihrer Umsetzung in deutschen Kitas zu machen. Denn: „Was von der Erziehung in Deutschland immer gesagt und bewundert wird, ist die Freiheit, die Kinder während Kita-Zeit genießen, der aktiv gefördert wird, und eine harmonische Entwicklung des kleinen Menschen, wo weder Körper noch Seele zu kurz kommen, das würden sie gerne während des Besuchs miterleben dürfen, schrieb Olesia Bessmeltseva, Projekt-Managerin Ruspro Education, im Vorfeld. „Für die russischen Erzieherinnen und Erzieher ist es besonders wichtig zu erfahren, wie man bei der Kinderbetreuung zum Gleichgewicht kommt: Einerseits, den kleinen Menschen sich entfalten zu lassen und im Spielen die Welt zu erkunden. Andererseits dem Erziehungsanspruch gerecht zu werden und bestimmtes Wissen und Erfahrungen zu übermitteln, erklärt sie weiter.

Die gestellten Fragen zielten dann auch genau darauf ab: Wie wird der Zeitplan in der Kita organisiert? Welche Erziehungskonzepte (Montessori, Waldorfpädagogik etc.) sind integriert beziehungsweise werden neu entwickelt? Welche Ziele haben die Erzieher*innen und welche Rolle nehmen sie in der Betreuung wahr? Wie wird man Erzieher*in und wie sieht die Ausbildung aus? Welche Erfahrungen und welches Wissen nehmen die kleinen Menschen von ihrer Kita-Zeit mit? Was unterscheidet diese Organisationsstruktur von anderen Kitas in Köln und welche Rolle spielt der Kitaverband als Trägerinstitution?

Darüber hinaus wurden auch Fragen zur Sprachentwicklung gestellt, zu den vorhandenen Angeboten bei Entwicklungsverzögerungen sowie medizinischen Untersuchungen bei Krankheit, zu den Platzbedarfen der Eltern sowie zu den Mahlzeiten. Weitere Fragen bezogen sich auf die Bildungsdokumentation und den regelmäßigen Austausch über die Entwicklung der einzelnen Kinder im pädagogischen Team.

Die Beteiligung der Kinder ist in der Kinderwelt Immanuel die Grundlage der pädagogischen Arbeit. Sie findet im Rahmen einer Tagesstruktur statt, die den Kindern Orientierung bietet.

Während des Rundgangs durch die Kita gaben Carola Vollmann, Leiterin der Kita, sowie Frau Franziska Greuvers, stellvertretende Leitung, gerne über das Konzept und pädagogischen Arbeit Auskunft. Sie erklärten, dass die Räume in Funktionsbereiche aufgeteilt sind und die Kinder ihre Lernorte im Haus frei wählen können. Das ermöglicht den Kindern eine große Vielfalt an Bildungsprozessen und bietet ihnen gleichzeitig Raum und Zeit, diese Bildungsprozesse in ihrem individuellen Tempo und Interesse zu gestalten. Die Kinder gezielt zu beobachten und sie in der Umsetzung ihrer Ideen zu begleiten und zu unterstützen, dass sei die Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte dabei. Diese fordern aber auch durch Impulse und Projekte die individuelle nächste Entwicklungsstufe heraus.

In regelmäßig stattfindenden Team- und Kitakonferenzen bringen Kinder, Fachkräfte und Eltern Wünsche, Ideen, Anschaffungswünsche, Ideen zur Gestaltung von Festen oder Beschwerden ein. Die Entscheidungen über diese Eingaben werden mit den Beteiligten im Konsens oder durch Abstimmungsverfahren getroffen.

Ein wichtiger Punkt für die Erzieher*innen war auch zu erfahren, wie die Integration der Eltern gelingt, wie sie beteiligt und über die Entwicklung ihrer Kinder informiert werden. Carola Vollmann erläuterte, dass die Eltern nach dem Bringen der Kinder noch bleiben dürfen, beispielsweise um noch gemeinsam zu frühstücken. Auch besteht für die Eltern jeden Tag die Möglichkeit beim Bringen und Abholen zu kurzen Gesprächen, bei größeren Gesprächsbedarfen werden Termine vereinbart. Darüber hinaus gibt es für die Eltern täglich kurze Informationen über den Tagesablauf.

Franziska Greuvers fügte hinzu, dass es außerdem einen Elternrat (gewählt von der gesamten Elternschaft) gibt, der gemeinsam mit den Kindern und Mitarbeitenden Feste und Aktionen plant sowie Probleme bespricht.

Zum Abschluss überreichte Olesia Bessmeltseva kleine Geschenke an Carola Vollmann für die Kita. Und bedankte sich herzlich für die vielen Einblicke in den Kita-Alltag. Für sie als Organisatorin der Reise war es wichtig, dass „die Teilnehmer*innen neue Inputs sammeln, die sie dann in ihren Berufsalltag integrieren können. Manche der Mitreisenden bekleiden führende Positionen in ihren Bildungsorganisationen und sind sehr daran interessiert, sowohl methodische Ansätze, als auch die Prinzipien der Raumarchitektur und neue Gestaltungsideen für Kita-Interieurs mit auf den Weg zu nehmen“, betonte sie abschließend.

Russische Delegation

Gruppenfoto (v.r.l.: Franziska Greuvers, Olesi Bessmeltseva, Anastasiia Tsyganova, Anna Logunova, Inna Klochkova, Elena Karaseva, Daria Zakharikova, Natalia Kuchina, Denis Akmaev, Carola Vollmann)

Russische Delegation

Carola Vollmann erklärt den Tagesplan…

Russische Delegation

…und gibt erste Einblicke in die Tagesstruktur.

Russische Delegation

Rundgang durch die Einrichtung…

 

Russische Delegation

…mit Erklärungen zu den einzelnen Funktionsräumen.  

 

Russische Delegation

Olesia Bessmeltseva überreicht kleine Geschenke an Carola Vollmann…

 

Russische Delegation

…und die russische Flagge.

 

Informationen über die Bildungscompany Ruspro Education

Die Bildungscompany Ruspro Education ist eine Initiative, von jungen Frauen gegründet, die eben Mütter geworden sind und für ihre Kinder eine verbesserte und reformierte Erziehung und Ausbildung anstrebten. Heute ist die Initiative zum Partner der internationalen Bildungsassoziation Worlddidact geworden und organisiert jährlich mit Unterstützung der nationalen Bildungsagentur Finnland das finnisch-russische Partnerschaftsprogramm (Bildungsmarathon).

Seit 2011 betreut die Initiative Gruppenreisen (Finnland, Schweiz, perspektivisch Deutschland und Italien) für Lehrer*innen und Erzieher*innen aus Russland und Kasachstan, um Bildungsmessen und Bildungsforen zu besuchen, um kurze Hospitationsbesuche bei Kinderstätten und Schulen zu ermöglichen und eine Expertenberatung vonseiten führender Bildungsorganisationen zu vermitteln (in Köln sind es das Zentrum für Lehrer*innenbildung und das Amt für Schulentwicklung und -beratung). Anschließend finden Webinare statt, um einen Überblick über gesammelte Erfahrungen zu geben.

Darüber hinaus werden Inlands-Bildungsforen organisiert, wo Lehrpersonen aus Russland und postsowjetischen Ländern (Kasachstan, Kirgisien, Weißrussland) miteinander in Kontakt treten können.

Das Ziel der Bildungscompany ist, die Reformbewegung im russischen und postsowjetischen Bildungswesen anzufachen, die lehrenden Menschen in ihren Initiativen zu unterstützen und wichtige Inputs zu geben. Vor allem ist sie daran interessiert zu erfahren, wie die Bildungssysteme in europäischen Ländern aufgebaut, welche Konzepte im Umlauf sind, mit welchen Problemen man gerade konfrontiert ist und was sich davon auf dem russischen und postsowjetischen Boden umsetzen lässt. Es geht sowohl um die methodischen Fragen und Lösungen, als auch um die technische Ausstattung und Raumgestaltung.

http://ruspro-edu.com/en 
http://edu-marathon.org/